Die Wertschöpfungskette Tabak

Mehr als 100.000 Menschen verdienen in Deutschland mit dem Anbau, der Verarbeitung und dem Verkauf von Tabakprodukten sowie in der vorgelagerten Zulieferindustrie und bei Dienstleistern ihren Lebensunterhalt. Die Produkte der deutschen Tabakwirtschaft werden von rund einem Viertel der Deutschen konsumiert. Bevor Zigaretten, Cigarren, Feinschnitt und Pfeifentabak in den Verkaufsregalen und Automaten stehen, durchlaufen sie verschiedene Stufen der Wertschöpfung.

Tabakanbau
In Deutschland verarbeiteter Tabak wird hauptsächlich aus dem Ausland importiert. Aber auch in Deutschland gibt es rund 130 landwirtschaftliche Betriebe, in denen Tabak für den hiesigen Markt angebaut wird. Dabei handelt es sich überwiegend um Familienbetriebe. Insgesamt arbeiten im deutschen Tabakanbau rund 1.200 Menschen. Dabei verfügen die deutschen Tabakpflanzer über eine eigene Forschung und Züchtung, wodurch das Saatgut optimal auf die Anbaubedingungen in Deutschland zugeschnitten werden kann. Auf die Verwendung von gentechnisch modifizierten Sorten wird in Deutschland verzichtet – deutscher Tabak ist „clean tobacco“.

Die Saison beginnt für Tabakpflanzer im Februar mit der Anzucht der jungen Pflanzen. Die Setzlinge werden dabei zunächst in sogenannten Schwimmhallen angezogen, in denen sie bereits um diese Jahreszeit ausreichend Wärme erhalten und optimal mit Wasser versorgt werden. Sobald draußen keine Fröste mehr zu erwarten sind, werden die jungen Pflanzen ausgebracht. Ab Mitte Juli, wenn es richtig schön warm ist, geht dann alles ganz schnell: In täglich drei Schichten packen alle fast rund um die Uhr mit an – denn inzwischen ist aus dem kleinen Setzling eine prächtige Pflanze von gut zwei Metern Höhe geworden. Die reifen Blätter werden von Hand geerntet und in speziellen Heißluftöfen mehrere Tage getrocknet, bis sie eine leuchtende, goldgelbe Farbe haben. Dieser Prozess erfordert sehr viel Erfahrung und Können. Danach werden die Blätter von Hand sortiert und in Kisten auf die Reise zur Weiterverarbeitung geschickt. Erst im November endet die Saison.

Der Rohtabakimport
Auch ein Großteil des Rohstoffs Tabak, den deutsche Rohtabakhändler aus dem Ausland beziehen, stammt von Familienbetrieben, Kleinbauern und auch von großen industriell betriebenen Plantagen, auf denen eine Vielzahl von Menschen Arbeit finden – ebenso wie in den zahlreichen Fermentations-, Sortier- und Packbetrieben in den jeweiligen Anbauländern. Insgesamt stellen die Produktion und Verarbeitung von Tabak weltweit Millionen Arbeitsplätze zur Verfügung und sind für viele Anbauländer wichtige Wirtschaftsfaktoren u.a. auch als  Devisenbeschaffer.

Im Zuge aller Anbau- und Verarbeitungsschritte wird  das Rohprodukt durch die Experten der Rohtabak-Handelsfirmen und der Tabakindustrie begleitet. Dadurch kann garantiert werden, dass der vorverarbeitete Rohtabak perfekt für das Produkt geeignet ist, das aus ihm hergestellt werden soll – beispielsweise Zigaretten, Cigarren oder auch Pfeifentabak. In der Zusammenarbeit mit Reedereien, Transportunternehmen, Speditionen und Umschlagsbetrieben bringen die Händler den vorverarbeiteten Rohtabak in  lagerungsfähigem Zustand nach Deutschland. Hier wird er in großen Mengen in Lägern  vorgehalten, um die Herstellerbetriebe von Tabakprodukten jederzeit mit den benötigten Tabaksorten versorgen zu können. Die Rohtabakhändler sowie Speditionen und Umschlagsbetriebe sorgen sowohl für die fachgerechte Lagerung des Tabaks als auch deren pünktliche Lieferung an die Tabakfabriken.

Die Tabakprodukte
Zu den wichtigsten Tabakprodukten gehören neben Zigaretten und Cigarren vor allem Pfeifentabak und Feinschnitt sowie - unter den rauchlosen Tabaken - der Schnupf- und der Kautabak.

Die Zigarette
Die industrielle Herstellung von Zigaretten erfolgt von der Anlieferung des Rohtabaks... [mehr]

Die Cigarre
Cigarren-Kenner unterscheiden grundlegend zwischen zwei Varianten der Cigarre... [mehr]

Pfeifentabak und Feinschnitt
Das Pfeiferauchen gilt seit jeher als eine der „Königsklassen“ des Tabakgenusses... [mehr]

Schnupf- und Kautabak
Bereits die Indianer wussten um die Geheimnisse des rauchfreien Tabakkonsums... [mehr]

Der Tabakwarenhandel
Den Handel mit Tabakwaren kann man in zwei große Bereiche unterteilen: Den Groß- und den Einzelhandel. Der Großhandel kauft die Tabakwaren bei den Herstellern ein und beliefert damit den Einzelhandel. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 95.000 Verkaufsstellen für Tabakprodukte sowie rund 350.000 Zigarettenautomaten. Großhändler müssen sich deshalb jeden Tag aufs Neue großen organisatorischen Herausforderungen stellen: Sie nehmen zunächst mehrmals in der Woche die Bestellungen dieser vielen Verkaufsstellen entgegen und fassen sie zusammen. Anschließend müssen die bestellten Tabakprodukte in der richtigen Sortenzusammenstellung von den Herstellern in die Lager der Großhändler und von dort – ebenfalls mehrfach in der Woche - zu den Verkaufsstellen gebracht werden. Umgekehrt muss natürlich auch der Geldfluss zwischen Herstellern, Großhändlern und Einzelhandel fehlerfrei koordiniert werden.

Zu den 95.000 Verkaufsstellen des Tabakwaren-Einzelhandels gehören auch die rund 8.000 Fachhändler, bei denen insgesamt rund 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten. Sie kennen sich mit den unterschiedlichen Tabakprodukten – von der Filterzigarette über die Cigarre bis hin zum Schnupftabak – bestens aus. Sie garantieren zudem den kontrollierten Verkauf von Tabakprodukten und sichern die Einhaltung des Jugendschutzes.