Zigarettenschmuggel

Der Handel mit illegalen Zigaretten und ihre Herstellung sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein organisiertes Verbrechen, hinter dem häufig international agierende Kartelle stehen. Für sie ist der Zigarettenschmuggel ein Milliardengeschäft, das zur Finanzierung weiterer krimineller Aktivitäten dient. Auch der internationale Terrorismus profitiert vom illegalen Zigarettenhandel.

Der illegale Handel mit Zigaretten kostet den Steuerzahler Milliardenbeträge
Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG (Sun Report) lag der Anteil gefälschter und geschmuggelter Ware am Gesamthandel mit Zigaretten 2013 in der EU bei 10,5 Prozent. Wäre diese Menge legal verkauft worden, hätten die Finanzminister der EU-Staaten 10,9 Milliarden Euro Steuern zusätzlich einnehmen können. In Deutschland wurde fast jede fünfte hierzulande gerauchte Zigarette nicht hierzulande versteuert. Durch den Konsum geschmuggelter und gefälschter Zigaretten ist im selben Jahr ein geschätzter Steuerausfall von rund 2,1 Milliarden Euro entstanden.

Zigarettenschmuggel: Ein Milliardengeschäft für internationale Kartelle
Für die Drahtzieher ist der Handel mit illegalen Zigaretten äußert lukrativ: Laut Berechnungen des Zollkriminalamtes zahlen Händle für eine einzelne Containerladung gefälschter Zigaretten (47.500 Stangen) zwischen 76.000 und 95.000 Euro. Damit lässt sich im Verkauf ein Erlös von 874.000 bis 1,33 Millionen Euro erzielen. Außerdem kann die Ware vergleichsweise einfach transportiert werden. Trotz aller Fahndungserfolge gibt es nur ein kleines Risiko, erwischt zu werden. Wer dennoch ertappt wird, dem drohen zumeist nur geringe Strafen. Illegale Zigaretten werden jedoch nicht nur von außerhalb der EU illegal eingeführt. Ende 2014 beispielsweise hoben Zollfahnder im grenznahen belgischen Eupen eine geheime Zigarettenfabrik aus, in der täglich rund 20.000 Stangen Zigaretten illegal hergestellt wurden. In der rechtswidrigen Produktionsstätte in Eupen trafen die Fahnder zudem auf Männer aus Osteuropa, die gegen ihren Willen festgehalten und zur Arbeit gezwungen worden sein sollen.

Illegaler Zigarettenhandel dient zur Finanzierung anderer Straftaten
Kriminelle Banden nutzen den illegalen Handel mit Zigaretten häufig als Anschubfinanzierung für weitere kriminelle Aktivitäten. Dabei handelt es sich oft um schwerwiegende Straftaten wie etwa Zwangsprostitution oder Drogenhandel. So konnten Ermittlungen beispielsweise zeigen, dass das selbe Netzwerk, das seit vielen Jahren den Zigarettenschmuggel über die sogenannten Vietnamesen-Märkte in der Tschechischen Republik organisiert, mittlerweile in den milliardenschweren Verkauf der illegalen Droge Crystal Meth verwickelt ist.

Auch Terrororganisationen nutzen den Zigarettenschmuggel
Zu den Profiteuren des illegalen Zigarettenhandels gehören auch viele Terrororganisationen.* Zunehmend warnen Experten daher vor den Verstrickungen zwischen organisierter Kriminalität und Terrorismus**.

Einheitsverpackung würde illegalen Handel fördern
Besonders vor diesem Hintergrund ist es wichtig, jeden Eingriff in den legalen Handel mit Tabakwaren auf seine Auswirkungen hin zu überprüfen. Eine Einführung von Einheitsverpackungen (Plain Packaging) für Zigaretten etwa würde Fälschern ihr Handwerk erleichtern. Der illegale, unkontrollierte Verkauf würde damit weiter gestärkt werden.

* Artikel: Terrorgruppen erschließen mit Zigarettenschmuggel neue Geldquellen (Neue Westfälische Bielefeld)
** Eine ausführliche Analyse der Verstrickung zwischen organisierter Kriminalität, dem Zigarettenschmuggel und dem transnationalen Terrorismus finden Sie in dem Buch „Dirty Entanglements“ von Dr. Louise I. Shelley.