Die Cigarrenherstellung

Cigarren-Kenner unterscheiden grundlegend zwischen zwei Varianten der Cigarre: Dem Shortfiller (meist maschinengerollt) und dem Longfiller (meist handgerollt). Beide bestehen im Regelfall nicht aus einer einzelnen Tabaksorte, sondern aus einer fein abgestimmten Komposition, die sich sowohl bei Long- als auch bei Shortfillern in drei Komponenten untergliedern lässt: Dem Einlage-Tabak, dem Umblatt-Tabak und dem Deckblatt-Tabak.

Drei Komponenten für den perfekten Genuss
Der Einlage-Tabak besteht bei Longfillern aus ganzen Tabakblättern, die aus mehreren unterschiedlichen Anbauregionen stammen können. Bei Shortfillern werden geschnittene oder gerissene Tabake aus bis zu 20 verschiedenen Sorten verwendet. Die Mischung der Tabake entscheidet maßgeblich über den Charakter der Cigarre. Der Einlage-Tabak wird anschließend mit dem Umblatt-Tabak umwickelt. Hierfür werden entweder ganze Tabakblätter oder sogenannter Bandtabak - kleingemahlene Tabakteilchen, die mit Bindemittel versehen auf einem Stahlband ausgewalzt werden – verwendet. Bandtabak bietet den Vorteil, dass die Cigarren oder auch Cigarillos gleichmäßiger abbrennen als bei der Verwendung natürlicher Tabakblätter. Abschließend werden Einlage und Umblatt (der sogenannte „Wickel“) noch von einem Deckblatt umgeben. Für das Deckblatt werden nur auserlesenste, fehlerfreie Tabakblätter mit besonders gleichmäßiger Farbe verwendet. Alternativ kann auch Bandtabak für das Deckblatt genutzt werden.

Der Shortfiller
Für die Herstellung von Shortfillern werden die Tabakblätter für die Einlage zunächst mit heißem Wasser bedampft und aufgelockert, bevor sie entrippt und in feine Stücke gerissen werden. Anschließend werden die gerissenen Tabakstücke gemischt und erneut getrocknet. In einer sogenannten Komplettmaschine wird aus Einlagetabak und Umblatt der Wickel geformt und mit einem Deckblatt umrollt. Bevor die fertigen Shortfiller ihre verpackt und versteuert werden, müssen sie noch für 6 Wochen bei 62% Luftfeuchtigkeit und 20° C lagern, damit sich die Aromen und Düfte der verschiedenen Tabake der Cigarre vermischen können. Diese Lagerung heißt traditionell – und sehr poetisch – Hochzeit.

Der Longfiller
Die Herstellung von Longfillern gestaltet sich ungleich aufwendiger und setzt viel handwerkliches Geschick voraus. Handgerollte Longfiller gelten auch deshalb als die besten Cigarren überhaupt. Die Einlage wird je nach Rezept aus verschiedenen Tabakblättern zusammengestellt und kunstvoll gefaltet, sodass später der Rauch gut durch die kleinen Kanäle ziehen kann. Zusammen mit dem Umblatt wird der Cigarrenrohling dann in seine endgültige Form gepresst. Erst jetzt wird ein ausgesuchtes Deckblatt mit der chaveta – einem Wiegemesser – sichelförmig zugeschnitten und fest um den Wickel gerollt. Weitere Handwerksschritte vollenden den Longfiller, bevor dieser durch einen Kontrolleur einzeln auf seine Qualität geprüft wird. In Bündeln zu meist 50 Stück werden die fertigen Longfiller dann für mehrere Monate gelagert. Bei besonders hochwertigen Sorten kann die Lagerung sogar Jahre in Anspruch nehmen. Nach einer letzten Qualitätskontrolle wird den einzelnen Cigarren eine Bauchbinde umgelegt, bevor auch diese – wie die Shortfiller – verpackt und versteuert für die Aussendung vorbereitet werden.

Trotz moderner Methoden ist die Herstellung von Cigarren sehr arbeitsintensiv geblieben. Der Lohnanteil bei der Herstellung in Deutschland beträgt, gemessen an den Herstellungskosten, ca. 40 Prozent. Insgesamt arbeiten rund 1.700 Menschen in Deutschland in der Cigarrenproduktion.